Ein bäriger Hund .... der Chow-Chow
Auszüge aus einem Artikel von
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang und Ingrid Koos, Wien
erschienen in der Reihe "Hund des Monats", WUFF 1998/11
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ENTSTEHUNG DER RASSE UND IHRE URHEIMAT
Mit dem Auftauchen des ersten Chow-Chow in Europa begann das Rätselraten um Ursprung und Urheimat dieses exotisch anmutenden Hundes. Zweifellos handelt es sich um eine der ältesten Hunderassen der Welt. Historiker haben ins 11. Jahrhundert v. Chr. zurückreichende Chroniken gefunden, die den "Tatarenhund" oder "fremden Chow" beschreiben: Ein "schwergebauter Hund mit hartem bürstenartigen Haar, völlig geraden Hinterläufen und blauer Zunge". Der Ursprung und die Eingliederung in die menschliche Gesellschaft fand offensichtlich bereits vor dieser Zeit statt.
MEHR BÄR ALS WOLF
Eine besonders ausgeprägte Hundepersönlichkeit, ein Individualist, der sich durch Furchtlosigkeit und Treue zu seinem Herrn auszeichnet
Die Frühgeschichte lehrt uns, daß vor 28 bis 12 Millionen Jahren eine Zwischenstufe zwischen Hund und Bär von mittlerer Größe und in vieler Hinsicht recht hundeähnlich auftrat. Ihr direkter Nachkomme war ein Tier, das in seiner Größe zwischen Fuchs und kleinem Bär variierte. Diese Tiere bewohnten die subarktischen Zonen, eine fortschreitende Eiszeit trieb sie nach Süden in Richtung Sibirien und nördliche Mongolei. Neben den offensichtlich bärenähnlichen Zügen des Chows, sollte man beachten, daß der Chow mit den kleinen Bären Tibets und der Manschurei die charakteristische blauschwarze Zunge, den breiten Oberkopf, den kurzen Fang und den quadratischen Körperbau gemein hat. Das sind mehr Merkmale des Bären als des Wolfes. So müssen wir annehmen, daß der Chow oder ein uralter Vorfahre in den kalten Steppen der Mongolei entstand, lange Zeit vor der Entwicklung der Hominiden zum Homo sapiens.
DER "CHINESISCHE" HUND
Häufig wurde China von barbarischen Stämmen an seiner Nordgrenze angegriffen. Diese Stämme - Tataren und Mongolen - waren von "Kriegshunden" begleitet. Diese wurden als Hunde von "löwenartigern Aussehen, groß, kraftvoll und mit dem besonderen Merkmal einer blauschwarzen Zunge" beschrieben. Die Geschichtsschreibung berichtet, daß Kaiser Wu Wang, etwa 1100 v. Chr., als Tributzahlungen von seinen Feinden eine große Zahl ihrer Hunde erhielt, die "als sehr kraftvoll, dicht behaart und zumeist von roter Farbe" beschrieben wurden.
TATARISCHER KRIEGSHUND
Ein schwergebauter Hund mit hartem bürstenartigen Haar, völlig geraden Hinterläufen und blauer Zunge.
Es gibt zahlreiche Urkunden über den "tatarischen Kriegshund" oder den "ausländischen Chow",der von nomadischen Volksstämmen der Mongolei durch Handelsbeziehungen oder im Gefolge kriegerischer Einfälle nach China gelangte Die Chinesen schätzten seine Fähigkeiten für die Jagd, als Herdenhund und als Wachhund.
Tatsache ist, dass vor mehr als 2000 Jahren am kaiserlichen Hof zu Peking Chows zu Tausenden gehalten wurden. Galt der Pekingese als Liebling der Kaiserin, war der Chow der bevorzugte Liebling des Herrschers.
Es existieren heute noch Skulpturen aus Terrakotta und auch bildliche Darstellungen aus der Zeit der Han-Dynastie (206-220 v. Chr.), die eindeutig Chows erkennen lassen.
ERSTMALS IN EUROPA
Die erste Nachricht über den Chow, die Europa erreichte, stammt von Marco Polo, der als Gast des Großmoguls im 13. Jahrhundert China bereiste und darüber in seinen Reiseerzählungen berichtete. Ende des 18. Jahrhunderts brachten Seeleute und Händler der Ostindischen Kompagnie Chows als Kuriositäten aus der chinesischen Kanton-Provinz nach England.
1895 wurde der englische Chow-Chow Club gegründet, 1906 folgte die Gründung des amerikanischen und 1924 die des französischen Clubs. Im gleichen Jahr wurde der erste Chow ins Deutsche Zucht- buch eingetragen. Der erste Österreichische Chow-Club wurde 1948 gegründet.
KONSTITUTION UND WESEN
Das Leben im Gebiet mongolischer Nomaden hat über lange Zeit den Charakter des Chows geprägt. Die Landschaft besteht teilweise aus Steppe und ist teils gebirgig. Die besondere Beschaffenheit der hinteren Gliedmaßen des Chows eignet sich gut für dieses Gelände. Es ist eine Landschaft, die sehr wald- und wildreich ist und in der sich der Mensch in ständigem Kampf gegen die Natur, das Klima und die Raubtierwelt behaupten muß. Dieser Kampf ums Dasein verlangt eine besonders ausgeprägte Hundepersönlichkeit, einen Individualisten, der sich durch Furchtlosigkeit und Treue zu seinem Herrn auszeichnet und nicht nur in der Meute, sondern insbesondere als einzelner seinen Mann steht. Diese Rolle in der geschilderten einsamen Umgebung scheint dem Chow geradezu auf den Leib geschrieben.