Ein, zwei oder drei Chows?
Peter Wellinga - Pau Lin

DER ERSTE TEDDY

Jeden Tag können wir erleben, dass Menschen harsch mit einander umgehen. Doch wenn wir ein Neugeborenes sehen, sind wir plötzlich tief berührt.

Können Sie sich an Ihren ersten Teddy erinnern? Vermutlich hat es damals begonnen: das Verlieben in einen Chow-Welpen. Ein kleiner, süsser Bär mit herzzereissendem Blick. Ihre erste Begegnung mit einem Chow-Chow muss aufregend und aufwühlend gewesen sein.

Haben Sie den Welpen vielleicht sogar nach Hause mitgenommen? Ohne über die Konsequenzen nachzudenken? Ich hoffe doch nicht!

Da war also unser Beer; 7 Wochen alt. Die ganze Nachbarschaft war von ihm begeistert und wir haben sofort begonnen ihn in unser Leben zu integrieren. Wir wussten zwar nicht viel über Chows, mussten aber schnell lernen. Er bekam unsere ganze Aufmerksamkeit und eigentlich sind eher wir "ver'chowt" worden als er vermenschlicht.


EIN SPIELGEFÄHRTE FÜR BEER?

Eines Tages haben wir begonnen zu diskutieren, ob Beer einen Spielgefährten bekommen sollte. Würde es jedoch möglich sein zwei Chows unter einem Dach zu halten? Würden wir noch einen Rüden oder doch eine Hündin nehmen?

Viele sogenannte Experten rieten uns Beer kastrieren zu lassen, um Kämpfe mit einem zweiten Rüden zu vermeiden. Auf jeden Fall war uns klar, dass wir keine Züchter sein wollten. Zwinger entsprachen auch nicht unserer Auffassung von Hundehaltung. Unser Rudel sollte sich frei und gemeinsam bewegen können.

Als Beer fast 2 war, kam dann endlich Pau Lin als zweiter Rüde dazu. Pau Lin wurde Beer einfach während eines Spazierganges vorgestellt und wir konnten beobachten wie er sich gefragt hat 'ist das ein Gast oder bleibt er gar bei uns?!'.


In den folgenden Monaten mussten wir erkennen, dass zwei Chows mehr Arbeit bedeuten. Im Gegenzug haben wir viel Freude gehabt und schöne Momente erlebt.

Pau Lin erwies sich als dominanter Chow.


UNSER FEHLER

Trotz aller Warnungen, begangen wir einen Fehler. Beer und Pau Lin wurden von uns gleich behandelt, wie Kinder. Die ersten Anzeichen für Schwierigkeiten haben wir ignoriert und Pau Lin sogar bestraft.

Als Pau Lin so etwa 1 1/2 Jahre alt war, ist es zum ersten, unerwarteten Streit gekommen. Trotz der Gefahr, konnte ich die beiden trennen. Aus Angst vor einer Wiederholung sind wir aber sehr vorsichtig geworden. Die ungeklärte Situation hat dennoch zur nächsten Auseinandersetzung geführt. Diesmal ging es, so schien es uns, um Leben und Tod. Sie kämpften mindestens eine halbe Stunde - bis zur Erschöpfung. Gab es einen Sieger? Das konnten wir nicht eindeutig bestimmen.

Um Pau Lin nicht weggeben zu müssen, habe ich mich mit unserer neuen Situation näher beschäftigen müssen. Folgende Punkte erscheinen mir besonders wichtig:

  • wir waren nicht konsequent gewesen
  • beide wurden gleich behandelt - was der sozialen Ordnung in einem Rudel nicht entspricht
  • wir hatten Angst gezeigt - was von beiden sofort wahrgenommen wurde
  • wir hatten sie getrennt um weitere Schwierigkeiten zu vermeiden - so konnten sie ihre Rangordnung aber nicht weiter bestimmen
  • wer war eigentlich das Alpha-Tier bei uns?

Also war Pau Lin eigentlich das 'Opfer' unserer Fehler geworden. Wir beschlossen unser Verhalten anzupassen und obwohl es schwierig war, haben bereits nach kurzer Zeit erste Erfolge eingesetzt.


RICHTIGE FREUNDE


Beer und Pau Lin sind richtige Freunde geworden und wir musste nur mehr bei der Fütterung aufpassen. Oft kann man sie Seite an Seite in unserem Garten liegend finden.

Wir waren mehrmals um Nachkommen von Pau Lin gebeten worden. Als beide bereits ein gewisses Alter erreicht hatten, haben wir uns endlich umstimmen lassen - es wäre doch schön entweder einen Sohn oder eine Tochter von Pau Lin zu haben.


VON ZWEI zu DREI


Aber einen dritten Chow???

Rasch wurde uns klar, dass eine Hündin die Beziehungen zwischen unseren beiden Rüden nur weiter verkomplizieren würde.

Der blaue Shadow war genau so süss wie seine beiden Onkel es gewesen waren - frech und charmant. So hatten wir uns also das nächste Rangordnungsproblem aufgehalst! Wir wussten aber bereits um die Bedeutung von Konsequenz und so sind uns bis heute grössere Streitgkeiten erspart geblieben.

Alle drei sind typische Chows - sie können eigensinnig sein und gehen ihre eigenen Wege. Sie kennen jedoch die von uns gesetzten Grenzen.

Ist es jetzt leicht drei Chows zu halten?

Sicher ist, dass zwei oder drei Chows mehr Zeit, Geld und Arbeit benötigen. Wer sich für einen zweiten Chow entscheidet, soll dies dann zu 100% umsetzen. Wenn es auf Anhieb nicht klappt, liegt der Fehler meistens bei den Menschen und es wäre wohl unfair einen der Chows dafür wegzugeben. Die damit verbundenen Schwierigkeiten sind allerdings nicht nur Investitionen, sondern bringen auch unendlich viel Glück. Die Tiere untereinander und in Interaktion mit uns zu beobachten, hat mich von Anfang an fasziniert!